Liebe Biggi, lieber Rainer,
das große Fest mit unsereiner
steht endlich an im großen Rahmen,
und alle die nun heute kamen,
aus nah und fern – die sind entzückt,
wie super dieses Fest geglückt.
Uns hat die Botschaft einst ereilt,
das Festchen heute wird geteilt
in Wiegen- und in Hochzeitsfeier,
damit’s nicht übermäßig teuer.
Zunächst wurd' Biggi 50 Jahr,
und weil dies im April schon war,
sprech' ich im Nachhinein noch aus,
wir wünschen Glück Dir – altes Haus,
Du musst nun wirklich tapfer sein,
dies Alter haut nun mächtig rein,
bist nicht mehr jung, doch auch nicht alt,
Wehwehchen zeigen sich nun bald,
klar, dass Dich Fältchen nicht beglücken,
die irgendwann Dein Antlitz schmücken,
doch die sind Zeugen unsres Lebens,
Verschonung sucht man da vergebens,
drum nimm sie an und lache immer,
`ne böse Krankheit wäre schlimmer.
Die Frau um 50, warm und weich
Kommt einem guten Käse gleich,
denn jeder will und jeder mag,
ob morgens oder Nachmittag,
doch gut gereift sollt er schon sein,
dann stellt der Appetit sich ein.
Nun kommen wir zum nächsten Fest,
zum Silberhochzeits-Jubelfest,
da ihr seit 25 Jahr`
ein fest liiertes Ehepaar.
Wenn ich nun in die Runde schau,
so sehe ich dabei genau,
es wüsste gern manch Frau und Mann,
wie Euer Liebesglück begann.
Um diese Neugierde zu stillen,
da beuge ich mich ihrem Willen
und wird von Euch und Eurem Leben
das Wichtigste zum Besten geben.
Im Schwarzwald – in der Ortenau,
gebar vor Jahren eine Frau
den 3. Sohn in ihrer Ehe.
Sie sah ihn an und aus der Nähe
War dieses Kind ein Kümmerling,
ein Frühchen – Siebenmonatskind.
Oh Gott, so seufzte sie schockiert,
was war mit ihrem Kind passiert,
wieso war es so zart und klein,
sollt es ein Fehler von ihr sein,
hat sie vielleicht zu schlecht gegessen,
nein, diese Sorge war vermessen,
der wahre Grund, der leuchtet ein,
er war nur darum zart und klein,
weil es ihn drängte aus dem Leib,
er glaubte halt, es sei schon Zeit,
so fehlte ihm die Kraft samt Nahrung,
dies war ein Mangel an Erfahrung.
Die Mama sah das Kindlein an
Und dachte sich, ich nehm es an
Und wird es füttern und verwöhnen,
ich nehm es zu den anderen Söhnen.
Sie war sich sicher – irgendwann
Wird dieses Kind ein ganzer Mann,
dass er Professor mal sich nennt,
nein, der Gedanke war ihr fremd.
Das Kind erhielt den Namen Rainer,
und so wie er war vorher keiner,
sein Wissensdrang war unbegrenzt,
die Schule hat er nie geschwänzt.
Nach Abi kam das Studium,
denn schließlich war er ja nicht dumm,
er büffelte und lernte viel,
Elektrotechnik war sein Ziel.
Sein Elternhaus war ihm stets wichtig,
und Mamas Küche, die war richtig,
so sah man ihm als junger Mann
das Frühchen wirklich nicht mehr an.
Die Pubertät, die jeder Mann
Mit bloßem Auge sehen kann,
die hieß- sich völlig neu entdecken
und neuerdings Interesse wecken,
am Weib, dem Wunder der Natur,
das war für Rainer Leben pur.
Er flirtet nicht einmal schlecht,
mit diesem weiblichen Geschlecht.
Beim Tanzen – wie ein Gott auf Erden,
ließ er die Mädchen schwächer werden,
wenn sie in seinen Armen hingen,
dann fing der Himmel an zu schwingen.
Da schlug das Schicksal für ihn zu,
bald sollt' sie weg sein, seine Ruh.
Eine junge Maid aus Marl erfuhr,
in OHB ist Stimmung pur,
bei Festen dort, gleich welcher Art,
da wird mit Frohsinn nicht gespart,
da wird getanzt und viel gelacht,
und sich an Mädchen ran gemacht,
und weil ihr Gegenstück sie suchte,
in OHB den Urlaub buchte.
Beim Heimatabend dazumal
im vollbesetzten Stubensaal,
sah’n sich die beiden erstmals an,
dann kam, was man erahnen kann,
er führte rasch sie aufs Parkett,
er flirtete mit ihr recht nett,
sie fiel, wie konnt’ es anders sein,
auf diesen Rainer Brucher rein.
Vielleicht war es auch umgekehrt,
wen hat das damals schon gestört.
Man kam sich näher peu à peu,
wenn ich die Sache richtig seh,
dann hatte Rainer sich verknallt,
das sah man jedenfalls schon bald.
Und Biggi, so hieß diese Maid,
die war für Rainer gern bereit,
auf’s Elternhaus mal zu verzichten
und sich in Lahr fest einzurichten.
Als Krankenschwester engagiert,
hat sie bei Rainer schnell gespürt,
dass Hände, die sich pflegend regen,
die Phantasie bei ihm bewegen.
Man kam sich näher – Tag und Nacht,
er hatte Hoffnung sich gemacht,
und als sein Herz total entflammt,
da ist sie ihm davon gerannt.
Sie war’n getrennt, er litt wie’n Hund,
dann plötzlich kam für ihn die Stund,
dass sie erneut tat ihn begehren
und er, er konnt sich nicht mehr wehren.
Ich sag’s hier nun ganz unumwunden,
sie hat nichts Besseres gefunden.
Nun schritt man auch zum Traualtar,
weil alles wieder super war
und baute sich nach diesem Fest
in Karlsruh’ dann das Liebesnest,
wo Rainer’s Hirn in Ordnung brachte
vom Studium den Abschluss machte.
Und plötzlich wurde Biggi rund,
mein Gott, war sie nicht mehr gesund?
Nein diese Angst war unbegründet,
als man sie kurz drauf wiederfindet,
hält sie ein Töchterlein im Arm,
ein kleines Ding, so weich und warm,
und weil die Machart sie erfreute,
man keine größ’re Mühe scheute,
man übte, bis sie wieder dick,
nun kam Sohn Jens, das gute Stück.
Danach hat sich das Blatt gewendet,
die Produktion, sie war beendet,
hat man die Machart auch genossen,
uns scheint, das Pulver war verschossen.
Wer Kinder hat, der kennt auch Pflichten,
davon kann mancher hier berichten.
Auch Rainer kam sehr bald zum Schluss,
dass er das Geld verdienen muss.
Er bastelte mit jedem Mittel
An dem ersehnten Doktortitel,
der etwas Würde ihm verlieh,
bei Freunden und der Industrie.
Weil ihn die Forschung interessierte,
er da für sich ’ne Basis spürte,
zog es ihn an den Bodensee,
die Firma dort, die hieß Dornier.
Den Flugzeugbau, der dort betrieben,
den hat er sehr schnell abgeschrieben,
und wechselte zu EME,
dort schnellte rasch er in die Höh’,
war dort schon bald der Forschungsleiter
und strampelte nun heftig weiter.
Sein ganzes Wissen drängte ihn
In den Bereich der Medizin,
der immer wieder ihn beflügelt,
weil er so gern was ausgeklügelt.
Er wurd' begehrt von allen Seiten,
jetzt war’n sie da, die guten Zeiten
nun war er wer und sehr direkt,
erwies man ihn nun auch Respekt.
Das war für ihn ein Hochgenuss,
und endlich nun zum guten Schluß
erwarb man sich ein eig’nes Haus,
die Biggi packt die Kisten aus,
man richtet sich gemütlich ein,
der Umzug soll der letzte sein,
doch wer nun denkt, das hat Gewicht,
der kennt den Rainer Brucher nicht.
In Ulm, im schönen Schwabenland,
dort hat man Rainer’s Wert erkannt,
man bot ihm an der FH dann
auf einmal einen Lehrstuhl an,
der wiederum ihn nicht erschreckte,
nein, eher seinen Ehrgeiz weckte.
Er pendelte nun hin und her,
das fiel dem Rainer gar nicht schwer.
Doch Biggi, diesem armen Tropf,
erwuchs im hals ein dicker Kropf,
sie ahnte und erkannte richtig,
nun wär ein Umzug sicher wichtig,
denn Rainer war nie mehr präsent,
ob der die Kinder wohl noch kennt,
so fragte sie sich ab und an
und plötzlich, da entschied ihr Mann,
ihr sollt ein neues Häuschen haben,
in Lonsee bei den netten Schwaben.
Dort wohnen sie noch heute gern,
und Nachbarstreit liegt ihnen fern,
wir hoffen für das Silberpaar,
dass es der letzte Umzug war,
die Umzugskisten sind verbrannt,
’nem neuen halten die nicht stand.
Ich hoffe sehr, was ich erzählt,
dass hat euch nicht zu sehr gequält.
Liebe Biggi, lieber Rainer,
Wir möchten nochmals gratulieren,
und einen alten Mann zitieren,
der einmal auf den Punkt gebracht,
was für die Ehe angedacht:
Der Mann ist das Haupt in einer Ehe,
doch wenn ich es nun richtig sehe,
sitzt jedes Haupt auf einem Hals,
das ist die Frau und jedenfalls,
muss sich das Haupt entsprechend drehn,
wie es dem Hals ist angenehm.
Da Haupt und Hals sich niemals trennen,
weil sie nur miteinander können,
ist heute davon auszugehen,
es wird mit Euch so weitergehn.
Zum guten Schluss, das ist mir wichtig,
stell ich noch eine Sache richtig,
der Rainer, der wird nächstes Jahr
im Januar erst 50 Jahr,
da kann man sich ja wohl auch denken,
dass wir da heute noch nichts schenken.
Das Datum haben wir notiert
Und auch entsprechend registriert,
wenn’s soweit ist, mein lieber Rainer,
gibt’s ein Geschenk von unsereiner.
Alles Liebe, noch viele schöne gemeinsame Jahre in Harmonie und Verbundenheit
wünschen Euch Eure Freunde aus Oberharmersbach
Hucky & Monika